Eduard Strauss:

„Don’t worry, be happy and dance!”

In diesem Jahr setzt die Musikwelthauptstadt nochmal ein paar Umdrehungen im Dreivierteltakt drauf. Gefeiert wird der 200. Geburtstag von Johann Strauss (25.10.1825 – 03.06.1899). Zahlreiche Veranstaltungen begleiten das Festjahr. Beispielsweise am 5.April, wenn der „Fledermaus“ einen ganzen Tag lang im „MuseumsQuartier“ gehuldigt wird. Strauss‘ berühmtestes Operette wurde 1874 just an diesem Datum uraufgeführt.

Interview Eduard Strauss

Strauss-Festjahr in Wien

Dass der Walzerkönig heutzutage zwar das berühmteste Mitglied der Strauss-Familie ist, doch die Eltern und Brüder immens zum musikalischen und wirtschaftlichen Erfolg beigetragen haben, erlebt man im House of Strauss. 2023 im ehemaligen Casino Zögernitz eröffnet, ist das interaktive Museum ein bildschöner Ort voller Magie und Geschichte. Zudem beherbergt die Villa den letzten noch erhaltenen Originalschauplatz, an dem alle vier Strauss-Genies aufgetreten sind: Vater Johann, Sohn Johann sowie seine Brüder Josef und Eduard. Der originalgetreu restaurierte Saal mit hervorragender Akustik ist Schaubühne für eine faszinierende Multimedia-Show sowie für Candle Light Konzerte und andere Live-Musikerlebnisse.

Anlässlich des diesjährigen Strauss-Jubiläums trafen wir Prof. Dr. Eduard Strauss, Sohn des sechsten und bisher letzten Musikers der Familie, Kapellmeister Eduard Strauss (II.) (1910-1969) zum Interview. Somit ist der Richter in Ruhestand als Urgroßneffe vom Walzerkönig Johann Strauss ein echter Spross der Strauss-Dynastie.

Prof. Dr. Strauss, wir stehen hier im Wiener House of Strauss vor dem Stammbaum der Familie. Erzählen Sie uns, wie die Musiker miteinander verwandt sind.
Eduard Strauss: Wenn man den Stammbaum nicht kennt, scheint es mit der Strauss Familie etwas kompliziert, zumal es gleiche Vornamen gibt. Auf dem Stammbaum indes sind die zahlreichen Musiker in unserer Familie klar zu erkennen: Ihre Vornamen prunken in Großbuchstaben. Als Musiker steht Vater Johann Strauss vorn an. Sein Sohn und sogenannter Walzerkönig Johann Strauss ist der Jubilar, dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr in Wien gefeiert wird. Dann gibt es noch die Brüder Josef und Eduard. Diese vier Männer dominierten im 19. Jahrhundert die Unterhaltungsmusik in Wien. Der Walzerkönig Johann Strauss hatte keine Kinder, Josef hatte eine Tochter mit Nachkommen, die aber nicht mehr Strauss heißen. Eduard hatte zwei Söhne, darunter Johann Strauss III., den wir „Enkel“ nennen, obwohl er weit weniger bekannt ist. Mein Großvater war der Bruder von Johann III., und mein Vater Eduard war der letzte Berufsmusiker der Familie. Übrigens, Richard Strauss ist nicht mit uns verwandt.

Interview Eduard Strauss - https://houseofstrauss.at

Interview Eduard Strauss

Interview Eduard Strauss

Welche Rolle spielt Musik heute in Ihrer Familie?
Musik ist unser Lebenselixier! Ich singe im Chor der Schola Cantorum, und mein Sohn ist ebenfalls sehr musikbegeistert. Es ging sogar so weit, dass er eine Beziehung beendete, weil die Frau keine Liebe zur Musik hatte. Musik war bei uns immer wichtig, auch durch meinen Vater, der früh starb. Meine Mutter wollte, dass er nicht vergessen wird, also hielten wir Vorträge und sammelten Strauss-Literatur. Heute weiß ich, dass vieles davon fehlerhaft ist. Immerhin beflügelte uns die Recherche, sich intensiver mit unserer Geschichte zu befassen.

Gibt es Mythen oder Falschaussagen über Ihre Familie, die Sie ärgern?
Oh ja, viele! Zum Beispiel der Titel „Hofballmusikdirektor“, der oft als offizielles Amt beschrieben wird. Das ist Unsinn – es war nur ein Ehren-Titel ohne Verpflichtungen. Auch die Geschichten über angebliche Auftritte und Reisen werden oft ausgeschmückt oder falsch wiedergegeben. Falsch ist zudem Strauss mit „ß“ zu schreiben.

Österreich ist ja bekannt für seine Titelsucht. Wie stehen Sie dazu?
Das ist Teil unserer Kultur. Titel sind hier in Österreich fest mit dem Namen verbunden. Das hilft manchmal – ein „Herr Professor“ bekommt eher Gehör. Ich selbst war Richter, und Titel gehören einfach dazu, auch im Schriftverkehr. Das hat Tradition.

Wie hat sich die Strauss-Musik über die Jahre verändert?
Die Musik meiner Familie war ursprünglich sehr dynamisch, wild und rhythmisch, weil sie sich auf das aktuelle Geschehen bezog. Heute wird sie oft zu glatt und langweilig gespielt. Das raubt der Musik ihre Spannung und den Charakter. Wir arbeiten daran, im House of Strauss die Werke möglichst originalgetreu zu präsentieren – das Publikum weiß das zu schätzen.

Der Walzer ist die bekannteste Form der Strauss-Musik. Wie hat sich dieser Tanz entwickelt?
Der Wiener Walzer entstand aus Vorläufern wie dem Ländler und wurde von Johann Strauss Vater und Söhnen maßgeblich geprägt. Mit dem Wiener Kongress 1814/15 wurde der Walzer gesellschaftsfähig, zunächst in den Vorstädten und später in ganz Wien. Er war damals revolutionär, weil er Tänzer körperlich näherbrachte – für manche anstößig, für andere aufregend.

Welche Bedeutung hat der Donauwalzer heute?
Der Donauwalzer ist eines der bekanntesten Werke, wird aber oft missverstanden. Der ursprüngliche Text war sarkastisch und reflektierte die schwierige Zeit 1867. Doch später wurde er romantisiert. Ich finde es wichtig, die Originalidee hinter der Musik zu bewahren und sie authentisch aufzuführen.

Für welches Lebensgefühl steht die Strauss-Dynastie?
Don’t worry, be happy and dance.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke!
Gern geschehen! Es freut mich, wenn Menschen sich für unsere Familiengeschichte und die Musik interessieren.

houseofstrauss.at